Galgenwind
5 Punkte-Programm
Maßnahmen
Bürgerinfo
Goldenes Windrad 2014
Antiwind-
kraft Lied
Galerie
Kontakt
Impressum
28.04.2014
Beerfelden (Odenwaldkreis): Fünf - Punkte - Programm der Bürgerinitiative Galgenwind-Beerfelden

Bürgerinitiative Galgenwind-Beerfelden

An
Herrn Landrat Dietrich Kübler
Michelstädter Str. 12
64711 Erbach

Fünf - Punkte - Programm der Bürgerinitiative Galgenwind-Beerfelden

Sehr geehrter Herr Landrat Kübler,

die Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) hat am 16.4.2014 den Ausstieg aus den Windkraftprojekten im Odenwald vollzogen. Ursächlich dafür waren laut Presseberichten vor allem die mangelnde Wirtschaftlichkeit der Projekte, sowie der anhaltende Bürgerprotest. Die mangelnde Wirtschaftlichkeit ist eine Folge der geringen Windhöffigkeit, die anhand von Gutachten belegt worden sei. Dies bestätigt das, was die Bürgerinitiativen der Oberzent anhand eigener Messungen bereits dargelegt hatten: Der Odenwald ist ein windschwaches Gebiet, in dem Windkraftanlagen trotz hoher Subventionen nicht wirtschaftlich zu betreiben sind. Der wirtschaftliche Schaden überwiegt bei Weitem einen herbeigeredeten Beitrag zur Energiewende. Die Bürgerproteste sind anhand der dem Sensbachtaler Bürgermeister Egon Scheuermann vorgelegten Unterschriftenliste, auf der sich 340 Bürger der Gemeinde gegen die Anlagen ausgesprochen hatten, belegbar. Insgesamt liegen den Beerfelder Bürgerinitiativen damit bis heute weit über 2000 Unterschriften vor, deren Unterzeichner sich klar gegen die Errichtung von Windkraftanlagen in unserer Region wenden. Der Schaden für die Umwelt durch die Errichtung solcher Anlagen und die nicht vorhandene CO2 - Einsparung bei Betrachtung des Gesamtsystems sind hinreichend durch verschiedenste Untersuchungen belegt.
Zusammenfassend lässt sich dies alles auf einen einfachen Nenner bringen:

  • Windkraftanlagen sind im Odenwald trotz hoher Subventionen nicht wirtschaftlich zu betreiben, weder für Privatinvestoren noch für kommunale Betreiber.
  • Der ökologische und wirtschaftliche Schaden überwiegt in jeder Hinsicht einen wie auch immer herbeigeredeten oder erhofften Beitrag zur Energiewende.
  • Die Bevölkerung ist mindestens zu einem großen Anteil, wahrscheinlich sogar mehrheitlich, gegen die Zerstörung unserer Landschaft durch die Errichtung von Windkraftanlagen.


Vor diesem Hintergrund ist es völlig unverständlich, dass Sie als Vertreter des Kreises weiterhin an diesem Unsinn festhalten. Damit nehmen Sie initiativ die Zerstörung unserer Umwelt in Kauf und reden noch dazu einer kommunalen Beteiligung an solchen höchst riskanten Investitionsprojekten das Wort.

Wir müssen leider davon ausgehen, dass wesentliche Teile der Entscheidungsgremien im Kreis mit einer fachgerechten Beurteilung der Sachlage völlig überfordert sind. Um Schaden von der Bevölkerung abzuwenden, fordern wir Sie daher dringend auf, sich dafür einzusetzen, dass die weitere Entwicklung der Windkraft mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zunächst auf Eis gelegt und vorrangig nachfolgendes Fünf – Punkte - Programm zur Beurteilung des Schaden-/Nutzenprofils der Windkraft im Odenwald abgearbeitet wird.

Hierzu ist es unbedingt erforderlich, dass Sie sich externem Sachverstand bedienen. Die Parteigremien im Kreis sind, wie sich wiederholt gezeigt hat, grundsätzlich nicht in der Lage eine ausreichende Klärung herbeizuführen.

Fünf - Punkte - Programm der Bürgerinitiative Galgenwind Beerfelden

Punkt 1 Windmessung und Bewertung des ökologischen Nutzens/Schadens

Bevor weitere Windkraftanlagen genehmigt werden, sind aussagefähige Windmessungen über einen repräsentativen Zeitraum vorzunehmen. Das blinde Vertrauen des RP in den mittlerweile überholten hessischen Windatlas ist nicht zielführend. Hier hat der Kreis eine Bringschuld und muss eine belastbare Datengrundlage schaffen. Die Messungen sind von einem anerkannten Institut an geeigneten Geländeaufpunkten auszuführen. Ergebnis und Methodik sind offen zu legen. Sobald diese Daten vorliegen, ist eine Bewertung durchzuführen, bei der der zu erwartende Windertrag und damit der Beitrag zur Energiewende, dem ökologischen Schaden der für den Odenwald zwangsläufig zu erwarten ist, gegenübergestellt wird.

Punkt 2 Gesundheitsrisiken durch Infraschall.

Es ist hinreichend bekannt, dass Windkraftanlagen sehr effiziente Infraschallquellen darstellen. Gesundheitsgefahren durch Infraschall werden in der medizinischen Fachliteratur zwar kontrovers diskutiert, eine Einflussnahme auf den menschlichen Organismus wird aber von allen ernst zu nehmenden Forschern bejaht. Im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsvorsorge kann dieses Thema daher nicht leichtfertig übergangen und die Gesundheit der Bevölkerung ins Risiko gesetzt werden. Die bestehende Infraschallbelastung ist im Rahmen einer Beweissicherung vorab zu ermitteln. Danach ist anhand von Ausbreitungsrechnungen und Simulationen die zu erwartende Belastung nach Errichtung der Windkraftanlagen gemäß Flächennutzungsplan bzw. Regionalplan zu prüfen und medizinisch durch ein anerkanntes Institut zu bewerten.

Punkt 3 Auswirkung auf die regionale Wirtschaft

In den vergangenen Jahren wurde regelmäßig eine vermeintliche regionale Wertschöpfung durch Windkraftanlagen in Aussicht gestellt. Für diese erhoffte regionale Wertschöpfung ist eine verlässliche und vor allem quantitative Prognose zu erstellen und diese gegen einen zu erwartenden Schaden - etwa im Tourismussektor - zu bewerten.

Punkt 4 Wertverlust Immobilien

Mittlerweile existieren zahlreiche Studien renommierter Institute zum Wertverlust von Immobilien in der Umgebung von Windkraftanlagen. Die prognostizierten Wertminderungen schwanken zwischen 10-30%, bzw. bis zur totalen Unverkäuflichkeit von Immobilien im direkten Umfeld von Windkraftanlagen . Für den Odenwaldkreis ist der Gesamtschaden bei Umsetzung von Flächennutzungsplan bzw. Regionalplan zu ermitteln. Weiterhin sind Mittel für Kompensationszahlungen bereitzustellen und geeignete Verfahren zur Abwicklung der Kompensationszahlungen vorzuschlagen.

Punkt 5 Bisherige Ergebnisse der kommunalen Anlage am Hainhaus

Am Hainhaus wird bereits eine kommunale Windkraftanlage betrieben, an der u.a. der Kreis über die OREG beteiligt ist. Das erste Rumpfgeschäftsjahr schloss mit einem erheblichen Verlust ab. Soweit bekannt, ist das laufende Geschäftsjahr nicht viel besser. Bevor die Kommunen oder der Kreis über weitere Beteiligungen an derartigen hochriskanten Projekten nachdenken, muss die Performance dieser Beteiligung anhand eines Soll-Ist Vergleiches durch einen Wirtschaftprüfer beurteilt werden . Das Ergebnis der Beurteilung muss den Bürgern in allen Punkten offen gelegt werden. Hierzu gehört auch eine Darstellung der Risiken die Kreis und Kommunen insbesondere in Form von ausgereichten Bürgschaften übernommen haben.

Es liegt auf der Hand, dass ohne die Beantwortung dieser grundlegenden Fragen eine uneingeschränkte Befürwortung der weiteren Verspargelung unseres Odenwaldes - wie sie von den regierenden Parteien leider bisher gefordert wird - völliger Unsinn ist. Wir können nur dringend empfehlen, dass sich der Kreis ein eigenes fundiertes Bild macht und nicht blind überregionalen Parteivorgaben, welcher Couleur auch immer sie entstammen mögen, vertraut.

Es ist Ihre Aufgabe, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden und die Spezifika unseres Odenwaldes bei den entsprechenden Regierungsstellen transparent und klar darzustellen. Bisher können wir aber eine solche Transparenz und Klarheit bei der Beurteilung der Risiken eines derartig gravierenden Eingriffes in unsere Umwelt weder in Ihrem Hause noch bei den entsprechenden Kommunen erkennen. Es werden vielmehr die Vorgaben vorgesetzter Stellen in blinder Duldungsstarre umgesetzt. Das kann nicht im Sinne der Bürger sein. Auch in der Kommunalpolitik sollte weiterhin gelten: „ Wenn man den Nutzen und die Risiken einer Maßnahme nicht beurteilen kann, lässt man besser die Finger davon “.

Mit freundlichen Grüßen
Bürgerinitiative Galgenwind-Beerfelden
Detlef Hanf